ZUR VERLAGSGRÜNDUNG

2020 einen Buchverlag zu gründen, scheint anachronistisch und ist für mich eine seltene Mischung einer konservativen und subversiven Aktion zugleich.

Einer, der in den frühen 80-er Jahren vom Film „Fahrenheit 451“ berührt wurde und bei der Aubesetzung in Hainburg erstmals massive Polizeigewalt spürte, in den 90-Jahren wegen Ausstellungen für eine kreative Erotikkultur angegriffen wurde und heute den Manipulationsmöglichkeiten des digitalen Zeitalters ausgesetzt ist, sind totalitäre Systeme ein Gräuel. Gräueltaten, die aus sich heraus schandhaft sein sollten, setzen eine Verrohung, Verdummung, Unwissenheit oder Wehrlosigkeit einer Gemeinschaft voraus. Der Geist der Aufklärung, ein Wertschätzen für Vielfältigkeit ist hier hinderlich. Dem Buchdruck als ein Zeichen der Neuzeit steht die Buchzensur und -verbrennungen der Schreckensregime gegenüber.

Inzwischen hat sich gezeigt, dass digitale Veröffentlichungen den totalitären Systemen noch wehrloser – sei es durch Algorithmen, sei es durch Internetzensur – ausgesetzt sind, als seine gedruckten Pendants. Mögen gedruckte Inhalte meist träge in der Verbreitung sein, so sind widerstandsfähiger. Die komplette Ausrottung eines erschienenen Druckexemplars ist kaum möglich. Der potentielle Inhalt kann ohne Strom- und Internetnetz seine Wirkung entfalten und weitergegeben werden.

Die Edition der Eremitage konzentriert sich in seinem Verlagswesen auf die Bildende Kunst, wobei hier der Mensch als Quelle des Werks oder des künstlerischen Ereignisses erfahrbar gemacht werden soll. Querungen in andere Bereiche sind daher naheliegend.

Publiziert wird, was inspirierend wirkt und somit erhalten bleiben soll. Der Verlag wird Archiv aus dem das schnelllebige Internet schöpfen darf und welches vor dem Verlorengehen in den Weiten des kurzlebigen Internets schützt.

 

Clemens Feigel
(Verlagsleitung)
Verlag Edition Eremitage am Kamp
3593 Pölla, Wegscheid am Kamp 13, AUT


bisher erschienen

Publikation 2020 :

Gansterer, Sonia: ICH FÄRBE DIR DEN HIMMEL BROMBEER. I DYE THE HEAVEN BLACKBERRY FOR YOU

Dem ersten Buch des Verlags „ich färbe dir den himmel brombeer – Sonia Gansterer“ wurde bei der Unterstützung bei der Herausgabe besonders viel Augenmerk entgegengebracht. Es soll als Maßstab dienen können. Als Verleger freuen mich die durchwegs positiven Reaktionen, das Erkennen der Profis einer qualitativen Umsetzung und besonders das Beobachten, wie jeder der das Buch durchblättert, nicht anders kann, als hin- und wieder mit der Handfläche über die Seiten zu streichen. Die Haptik eines guten Druckwerks ist Sinne anregend.

Das Werk von Sonia Gansterer ist es sowieso! Die Künstlerin schafft es, tief zu berühren. Ihre Wanderungen zwischen Malerei, Zeichnung, Objekten, Installation, ihre Bezüge zur Lyrik, ihre Auseinandersetzung mit dem Sein laden ein, eigene Welten neu oder wieder zu entdecken. Ein Buch wie dieses schafft einen Raum, der digital nicht erreichbar sein wird. Ein Buch wie dieses bleibt als Begleiter.

Dt./Engl. Übers.: Otmar Lichtenwörther. Hrsg.: Sonia Gansterer, Clemens Feigel. Texte: Clemens Feigel, Wolfgang Giegler, Günther Oberhollenzer. 238 S., geb., 191 F-Abb., durchg. ill., € 38,–. ISBN 978-3-9519795-0-2


Publikation 2021 :

Woertl, Hans: DAS JAHR DES NACKTMULLS

Dt. Hrsg.: Hans Wörtl. Texte: Hans Wörtl. 24 S., brosch., 44 F-Abb., durchg. ill., € 15,–. ISBN 978-3-9519795-2-6

„Das liebevoll gezeichnete Abenteuer von Cornelius de Mütz und seinem Nacktmull Rex beginnt dystopisch. Doch: ‚Tja! Mini Ursache! Mega Wirkung!‘ Mitten im tristen Alltagstrott ändert sich durch eine kleine Aufmerksamkeit von Cornelius de Mütz gegenüber Rex doch alles zu einer fast paradiesähnlichen Utopie! – Ein Bilderbuch für alte und junge Anarchisten!“


 


Wille, Micha: MY NAME IST MICHA WILLE AND I JUST ART-SHAMED THE SHIT OUT OF YOU, ‘CAUSE YOU DON`T KNOW ME

Engl./Dt. Übers.: Micha Wille, Friedrich Neubarth. Hrsg.: Micha Wille, Friedrich Neubarth. Texte: Frank Thorsten Moll, Veronika Rudorfer, Micha Wille, Robert Woelfl. 192 S., geb., 85 F-Abb., durchg. ill., € 32,–. ISBN 978-3-9519795-1-9

„Micha Wille ist frech, witzig, laut. Micha Wille ist aufmerksam, reflektierend, subtil. Nicht zufällig hat sie zuerst Linguistik und danach Bildende Kunst studiert. Worte, Symbole, Ikonen der Kulturgesellschaft werden in ihrem Werk in einer spielerischen Selbstanalyse demaskiert und versinnbildlicht. Die Blickwinkel müssen neu justiert werden. Und bei all dem Humor, der Provokation, der unbekümmerten malerischen Umsetzung darf nicht vergessen werden, wie todernst unser Leben sein wird“.